Eisenmann - das Ding ist gelaufen
Juni 2007
225,995km für ein T-Shirt
Es ist der morgen danach, 6:45 und ich lebe noch.
Die Nacht war ein intensives Erlebnis mit einem Körper der noch einmal die vergangenen
14:39 Stunden durchlebt hat.
Aber zurück zum Anfang.
Ich wollte auch mal schwimmen, Rad fahren und laufen am Stück.
Dazu geht Mann natürlich nicht irgendwohin sondern gleich zum berühmten rennen nach Roth.
Soll ja auch anspruchsvoll sein und dem Macho im Manne etwas gutes tun.
Gesagt getan. Die Anmeldung war noch das leichteste, wenngleich man auch
hierbei schnell sein muß, weil es voll derer viele gibt sich in solchen
Veranstaltungen beweisen wollen. Den Startplatz hatte ich also.
Trainieren hingegen konnte ich noch nicht. Der Ermüdungsbruch
aus dem Rennen von Biel verhinderte dies. So gingen die Monate in Land. Ich wurde
immerhin mal im Schwimmbad gesehen. Das war aber auch nur ein kurzes Blitzlicht.
Irgendwann Ende Januar gaben die Ärzte dann grünes Licht für eine Aufnahme des
Trainings. Also ging es gleich voll los. Die Quittung waren eine verschleppte
Blasenentzündung mit derart hohen Entzündungswerten im Blut, dass eben diese
Ärzte zu einer Teilnahme am Hamburg Marathon meinten: Da starten Sie nur wenn
Sie Selbstmord begehen wollen. Also wieder kein Training. Ende April war alles
im Lot. Endlich konnte das Training voll beginnen. Jetzt hatte ich ja noch
galaktische 10 Wochen. Das sollte ja wohl reichen.
Am Ende hatte ich bzgl. Schwimmen 2 Einheiten im November
(je 4km), 1km im Februar, 2km im offen Wasser im April, und 5km im Becken im Juni.
Klang ausreichen.
Auf dem Rad kam ich auf insgesamt ca. 1300km auf dem ERGO Meter, plus sage und
schreibe ca. 240km auf einem echten Fahrrad.
Gelaufen bin ich seit Januar ca. 400km.
So gestählt begann am 24ten Juni um7:30 mein Ironman in Roth.
(auch wenn die das wegen irgendwelcher Markenstreitigkeiten nicht mehr Ironman nennen dürfen)
Ich wollte 1:40 schwimmen, 7:10 Rad fahren, jeweils 5 Minuten in der Wechselzone
rummlungern und dann 6Std. für den Marathon haben.
So gesagt so getan. Die echten erzielten Zeiten passen super.(1:37 Schwimmen, 7:00 Rad fahren,
5:49 Laufen, jeweils ca. 6min in der Wechselzone)
Ich sagte ja mal: Schwimmen mach ich mit links,
nach dem Rad tut mir der Hintern weh und laufen kann ich.
So ähnlich lief es auch ab.
In Badewannen warmen Wasser des Kanal zog ich meine 3,8km dahin.
Der einzige oder zumindest einer von ganz wenigen, die das im Bruststil
erledigten. Aber was solls, dass kann ich und beim Kraulen geh ich unter
wie Senkblei.
Der Ausstieg aus dem Wasser zeigte, Gummibeine sind was schönes.
Kurz flackerte die Sorge auf sich nie wieder wie ein normaler Mensch
bewegen zu können.
Ab zum Rad. Alles klar gemacht, schnell noch Iso Zeugs in Mengen
gesoffen und ab ging die Post. Leider ist Roth und die Umgebung
dazu nicht flach wie es die Gegend in Hamburg zu sein pflegt.
Kam ich bergab zum Teil auf schwindelregende 70km/h so fuhr
ich bergauf (2te Runde !) auch mal wackelige 8km/h. Aus Angst
zu viel Zeit zu verlieren bin ich 180km lang nie angehalten.
Die Aero Flasche am Rad habe ich während der Fahrt befüllt
(am Ende konnte ich die Hände auch lose am Lenker lassen,
klebte alles wie Hulle) und der Blase habe ich zu verstehen
gegeben Sie möge die Klappe halten. Unzählige Steigungen,
Kurven und Gegenwindstrecken später war ich in Roth, 2te
Wechselzone und konnte anfangen zu laufen.
Ich hatte meine 6Std. Die von denen ich immer
gesagt hatte, damit komme ich mit dem Marathon locker ins Ziel.
Ich wollte bis zum Halbmarthon laufen und dann ggf. gehen. Tja es kam anders.
Ich bin bereits bis zum Halbmarathon in einen Mix aus Laufen und Gehen verfallen.
Kam aber bei 21km so vorbei, dass ich ein komfortables Polster hatte. 10min/km würden
mich noch locker ins Ziel bringen. Also bin ich ab da schön geruhsam mit 8:30 bis 9:00min/km
ins Ziel gewandert.
Die beim laufen aufkeimenden Muskelzuckungen (die Besten Freunde der Krämpfe)
war dadurch sofort beleidigt und verzogen sich. Ich überholte einige andere die
noch liefen aber derart langsam waren, dass auch dort wandern wohl die
bessere Wahl gewesen wäre.
Langsam machte sich auf der Strecke dann auch
Endzeitstimmung breit. Die Versorgungsstände klappten die Tische hoch
und es gab nur noch eine Rest Basis Versorgung. Aber mein Wunsch zu
Trinken und zu Essen nahm eh kontinuierlich ab.
Am Ende ging ich flott in Richtung Ziel wo wirklich
Tausende frenetisch mein Ankommen feierten. Die wollten zwar, dass ich die
letzten Meter laufe, aber das wäre doch Käse. Ich muß doch nicht bei den
letzten 300m durchs Stadion noch Krämpfe kriegen und im übrigen war es nicht
laufen sondern wandern was mich ins Ziel gebracht hat.
Ich muß sagen der Lärm, die Anfeuerung und die Ovationen
im Stadion das war schon was. Auch wenn ich den Wettkampf für mich und nicht für
diese letzten Meter gemacht habe, dass ist schon etwas besonderes.
So und dann war ich irgendwie bei 14:39 und ein Kecks im Ziel.
it einer Vorbereitung die das nicht erwarten lies,
mit Kollegen die meinten ich komme nie an und einer Frau, die sich fürchterliche
Sorgen gemacht hat.
Am Ende hat der Wille mich ins Ziel gebracht, getreu meines Mottos:
Schwimmen mach ich mit links, nach dem Rad tut mir der Hintern weh und laufen kann ich