Vier Daagsen

Moin,

Die 4Daagse 2026
Irgendwie wie immer und doch anders. Schön war gleich nach der Anreise die Bemerkung, oh der Volvo ist wieder da. Wir suchen den jedes Jahr. Genau der ist wieder da. Fährt fast nur noch um zu den 4Daagsen zu kommen. So ein 740er nimmt doch viel Sprit. Aber als Cult Karre löppt da noch. Wo ist der T-Shirt Laden? Weg. Was soll das? Wo ist die Dame. Konnte mir keiner so richtig sagen. Na dann. Karre geparkt Dachzelt aufgebaut und ab in die Stadt Unterlagen, eigentlich ja, gelbes Band, holen. Ging flott. Noch in den Laden mit dem alten Zeug. Paar Sachen erworben. Zurück zum Camping Platz. Buslinen geändert. Wie das auch noch? Ich bin alt. Bitte lasst den Scheiß wie er war. Richtige Linie gefunden. Zurück zum Platz. Dann wieder Richtung Stadt. Feuerwerk. Warten. Kommt aber nicht. Die einen Sagen wegen Wind, andere wegen technischer Probleme. Nix Feuerwerk. Na das geht ja prächtig los.
Montag dann Ruhe vor dem Sturm Tag. Ich geh durch die Stadt kauf dies und das. Noch ein rosa Pailletten capy für den rosa Mittwoch. Nijmegen Logo Socken. Braucht man immer. Paar Getränke, Milch. So Sachen eben. Wecker stellen. Da wird es dann spannend. Wann los. Wie immer 4.28 oder doch 3:50 oder 4:58. Nein keine Veränderung. 4:28. Wecker 3:45 was quasi früh ist. Nächsten Morgen weckt der Wecker nicht, weil der nervöse Wanderer schon wach ist. Es bimmelt aber ich mache es aus und esse das Müsli weiter. Es ist unwirklich. Das siebte Mal. So gewohnt und doch so anders. Warum nochmal mach ich das. Es wird lang. 40Km. Das steht im Programm und die machen das auch so.
Ich bin schlecht vorbereitet. Wobei schlecht? Gar nicht trifft es besser. Keine einzige lange Wanderung in den Tagen Wochen davor. Ja, der Gendarmenweg im April. Ha, das zählt nicht mehr. Keine Strecke länger 9km in den Wochen davor und das auch nicht regelmäßig. Nein, eher selten. Ja, dass drückt etwas auf die Stimmung. Bushaltestelle. Einige kennt man halt. Los geht’s. Vor dem Start schon tausende. Aber ich finde eine Lücke. Von hier dürfte es nicht eine Stunde warten bis zum Go sein.
Kurz nach 5:00 geht es für mich dann los. Erstmal mitschwimmen. Keine Heldenallüren am ersten Tag. Überleben ist die Devise. Über die Walbrug geht es zum Deich. Durch die Startgatter dezimierung ist die Strecke nicht überfüllt. Man kann gehen ohne auf die Füße der anderen zu treten. Ich schwimme mit. Noch ist wenig Musik und viel Ruhe. Deich eben. Irgendwann so nach 4 Stunden werden die Schritte müder. Aber es geht noch. Lustig ist ja die erste Hälfte fühlt sich immer entspannt an. Die Zweite dann eher nicht. Ob es an der einsetzenden Müdigkeit liegt? Egal. Ich stapfe weiter, werde langsamer aber bewege mich stetig auf das Ziel zu. So bei 7:30 sind die nicht ganz 40km erledigt. Schnitt über 5km/h. Geht doch. Oder? Nein, ich spüre die Müdigkeit, die Erschöpfung. Mehr als sonst. Das wird noch lustig die Tage. Aber zu Albert Hein. Trinkjoghurt und Brötchen. Der Körper braucht nach all den Tomaten, Gurken, Marschmellows, Lakritz... mal was anderes. Dann zum Camping Platz. Die 10min sitzen im Bus sind schön, das aufstehen und die ca. 300m zum Platz sind es nicht. Frische Sachen, Seife, Handtuch ab zur Dusche. Ah, das ist gut. Salzwasser Schock für die Kanalisation aber fühlt sich gut an für den Menschen.
Ab ins Dachzelt. Nix mehr machen. Gegen 18:00 nochmal Sportler Pommes und dann wieder Ruhe. Ich kann einfach nix mehr. Nächster Morgen leicht verschwitzt. Nicht gut. Egal. Bushaltestelle. Wie immer. Startbereich. Noch voller. Plötzlich Bewegung. Ich nutze das Moment und bin damit wider kurz nach 5:00 auf der Strecke. Alles wie gewohnt. Zunächst ja. Bisschen Regen. Aber OK. Dann schwül. Nochmal Regen nochmal Schwül. Jetzt werde ich langsamer. Das Wetter drückt und der Körper ist leer. Puh. Aus dem Mitschwimer wird der Überholte. Egal. Nur weiter gehen. Weil stehen bleiben bringt einen nicht ins Ziel. Die Schritte schwer, der Geist genervt. Aber weiter. Voran. Nur die Ziellinie bringt die Erleichterung. 8:08 für eine ähnliche Strecke wie gestern. Albert Hein. Bus. Dusche. Dachtzelt. Heute bewege ich mich nicht mehr. Was wird morgen sein? Na ich bewege mich doch noch. Die Pommes. Rufen. Eine gelbe Mundje und zack hat man die.
Der Wecker. Ja. Diesmal schlief der Mensch noch. Gutes Zeichen. Müsli rein. Ordenlich Milch hinter her. Fühlt sich alles gut an heute. Bushaltestelle wie gehabt. Jens hat Sorgen wegen Berg en Daal. Heute ja die Wellen. Ja, keine echten Berge aber für die Niederlande schon spürbar bergauf und bergab. Wieder Glück mit dem Start. Ab dafür. Fühlt sich deutlich besser an. Das stimmt froh. Die ersten 20 sind platt. Dann der Col de St. Juan. 3600Cm hoch. Ging doch gut. So kann es bleiben. Bleibt es auch. Es läuft. Warum? Gute Frage. So langsam hab ich eine Idee. Kurz vor den 4Daagsen noch Blut spenden? Kann man machen. Hab ich gemacht. War aber wohl doof. Der Körper hat wohl im Alarm Modus nach produziert und jetzt ist wieder genug da. 7:52 schneller als gestern und das mit den Bergen. Im ziel auch Jens. Ging auch für ihn gut. Sehr gut. Die alten können es noch.
Letzter Tag. Nachdem zuvor ja der knochen gefüllte Fleischsack so seine Sorgen hatte. Heute fühlt er sich gut. Mehr Strecke. 42,3km, aber auch mehr Zeit. Das wird. Wohlan denn. Bushaltestelle und so, alles wie immer. Auch wieder flott auf der Piste. Es gibt heut lange einsame Strecke auf dem ersten Teil. Schön. Ruhe und Besinnung bevor der Lärm der letzen km losgeht. Allerdings stirbt mein Handy. Kein Akku. Keine Bilder von der Behelfsbrücke über die Maas. Keine Videos von tobenden Massen . Ich werde die Erinnerungen einfach so im Kopf behalten. Ob das noch geht? Muss. Das siebte Mal, das sechste mal mit der Behelfsbrücke. Ein Highlight immer und sonst der Beginn des Leidens. Diesmal nicht. Endlich hat der Kopf begriffen, das ist toll da, die Stimmung ist gut. Aber das Ziel ist noch weit. 13Km oder so. Der Kopf weiß endlich, freu Dich, aber bleib dran. So gedacht, so getan. Ich lastsche weiter. Noch ein lautes Dorf. Ein bisschen Pause mit Lärm und dann Malden. Ab da ist Ekstase, Wahnsinn und Lärm. Über 7km säumen Menschen die Straße. Jeder hat eine Boombox dabei. Jeder spielt was anderes. Bier in Mengen. Die Wanderer trinken die gereichten „Kurzen“. Das da alle überleben. Ein Wunder. Gladiolen werden verteilt. Irgendwann traut man der Menge nicht mehr und hält sie hinter Gattern von den Wandersleuten getrennt. Es wird noch lauter. Noch mehr Menschen. Ich bin weit vor. Das wird nachher noch irrer. Ich nehme die Stimmung auf, freue mich aber auch auf den Moment wenn es vorbei ist. Tribünen. Jetzt ist es nicht mehr weit. Dudelsack und Blasmusik überall. Einmal noch rechts rum. Da ist das Ziel. Bändchen scannen. Die poppelige sieben in Empfang nehmen. Geschafft. Ich kann niemanden anrufen. Handy und so. Also direkt zum Camping Platz. Handy laden während des Duschens. Kurze geschafft Telefonate. Dachzelt zusammenklappen, Motor starten und ab nach Hamburg. 20:00 Landung in Hamburg.
Das ist gut. Meine Ex Frau hatte eine Krebs OP an diesem Tag und so kann ich morgen hallo sagen und die Zwerge versorgen. Das Leben geht seinen Weg.
Sollte ich nächstes Jahr die altersmöglichen 4x30machen? Oder doch wieder die „ich bin nicht alt, ich kann das noch 4x40“? Auf keinen Fall die Testesteron „ich zeig es euch, 4X50 gehen auch“! Ich hab jetzt ein Jahr darüber nachzudenken. Es ist keine ruhige Wanderung. Die Strecke ist immer die gleiche. Warum also? Ich mag die Stimmung dort. Es ist eine große Familie, auch wenn man sich nicht kennt. Die 4Daagse haben eine Austrahlung. Jedenfalls für mich. Solang die Beine mögen....