Gendarmenweg 2026
Moin,
Gendarmensti 2026 / Gendarmenweg Rückwärts
Prolog am ersten Tag
Tourplanung ist immer so eine Sache. Ich bin den Gendarmenweg ja bereits einmal in der „richtigen“ Richtung gegangen. Start in
Padborg. Ende in Skovby. Nachteil daran ist Sokvby. Ein Dorf. Klein weitab. Wenig ÖPNV bzw. bei mir damals sehr wenig um nicht
zu sagen, gar keiner, weil Sonntag der Tag der Ankunft war. Um das zu vermeiden war der Plan diesmal dort zu starten. Der
Starttag lässt sich ja im allgemeinen besser bestimmen als der Tag der Ankunft.
Aber auch hier setzt der ÖPNV Grenzen. Von Padborg dorthin ist ÖPNV mäßig eine Weltreise. Erst nach Krusä, dann Sonderborg,
dann Skovby. Drei Busse mit jeweils spürbaren Umstiegszeiten.
Daher dann so: Auto nach Padborg. Parken und die Strecke Padborg nach Krusä auf Schusters Rappen als Prolog wandern.
Gemacht getan. Gegen high noon geht es in Padborg los. Miri und ich sind jeweils mit Futter für 6 Tage und Ausrüstung für
Shelter bis ca. 0 Grad unterwegs.
Die Barfußschuhe von Miri erweisen sich schnell als haltlos. Sprich es war die Tage naß und der Weg bietet für ein derartiges
nicht so Profil behaftetes Schuhwerk einiges an Surf Potential.
Dieser Prolog kennt noch keine Ostsee, schlängelt sich an Bächen entlang durch Buchenwälder und über weite Wiesen.
Krusä erreichen wir kurz nachdem der benötigte Bus nach Sonderborg durch ist. Wir haben daher 50Minuten Luft bis zum nächsten.
Ein Kaffee in einem kleinen Restaurant verkürzt die Wartezeit und die Steckdose füttert nochmal ein paar mAh in die technischen
Geräte.
Dann der Bus. Lange Fahrt nach Sonderborg. Langes warten in Sonderborg im leichten Schneeregen. Lange Fahrt nach Skovby. Puh.
Dann dort.
1te Etappe Skovby – Horuphav
Jetzt geht es offiziell los. Der Gendarmenweg kündigt sich durch ein fettes Schild an. Bietet zunächst eine Asphaltstrecke an
wird dann aber zügig netter als ein kleiner Pfad der sich schlängelt. Wobei, das Bild schlängelt nicht.
Auch das Meer, die See, die östliche, zeigt sich bald. Sie wird für die nächsten Tage unser stetiger Begleiter sein. Mal weiter
oben mal direkt zu unseren Füßen.
Wir streben mehr oder weniger zügig dem Tagesziel entgegen. Fotostops, dynamische Flüssigkeitsregulierungen und schweifende
Blicke sind allerdings immer wieder kleine Tempobremsen.
Den Doppelshelter oberhalb eines kleinen vorgelagerten Sees erreichen wir mit Einbruch der Dämmerung. Aufbau der Schlaftüten
und der Küche ziehen sich in die Dunkelheit. Es gibt ein wenig Futter, ein bisschen reden und dann gehen wir auch schon leicht
fröstelnd in die Schlaftüten. Es wird schon jetzt kälter als gedacht. Mal sehen ob die Nacht noch mehr zu bieten hat.
Etappe 2 Horuphav - irgendwo
Ein herrlicher Morgen. Die Sonne brennt in das Shelter? Nee, die Sonne scheint, hat noch kaum Kraft und die Reste der frostigen
Nacht entschwinden nur langsam aus dem kalten Körper. Der Sea to Summit Spark ist in dieser Nacht in seinen Grenzbereich
abgetaucht und der innenliegende Mensch hat manche zusätzliche Frostrotation eingebaut. Es ging, aber warm ist anders.
Dafür nun dieser herrliche Sonnenaufgang.
Miri hatte abends noch das fehlen einen Feuers beklagt, also entzünde ich eines am Morgen. Welches aber, so Miri, nicht den
gleichen Wert hat, wie eines was die Nacht beleuchtet. Egal. Ich spare Gas und erwärme das Kaffeewasser Trappermäßig in der
Glut. Klar, den Dreck hab ich dann im Rucksack. Aber Dreck werden wir eh anhäufen über die Tage.
Rucksack. Ich bin ja nicht für UL bekannt, habe aber in einen Rucksack investiert der zumindest in die Richtung geht.
Rollverschluss, Dynema Zeug, leichte Gestell... unter 900gr. Für mich ist das fast UL. Er trägt sich gut und ich bin echt
zufrieden. Durston nennt er sich.
Nach de Frühstück stapfen wir los. Küste primär. Kleine Inland Schleife auch. Dann Sonderborg Ausläufer und die Stadt selbst.
In einem kleinen Restaurant nehmen die Menschen eine Stärkung zu sich und die technischen Geräte erneut ein paar mAh.
Wobei ich sagen muss die Garmin Uhr, die navigiert – was nicht nötig wäre bei den tausenden von Schildern, verlaufen
unmöglich – und aufzeichnet, diese Uhr, verbraucht fast nix. 18Km am ersten Tag, viele Stunden, 15%. Da wär mein altes Handy
schon leer.
Handy ist ein gutes Stichwort. Das habe ich tatsächlich aus. Abends und morgens ein Anruf bei der Liebsten und ansonsten
einfach mal nicht erreichbar. Fühlt sich gut an und spart mAh.
Das Sonderborg Futter schlägt Miri auf den Magen. Es geht ihr nicht gut. Wir erreichen den Shelter früh, bleiben auch dort,
obwohl der nächste auch erreichbar gewesen wäre, aber der Magen ruft nach Pause.
Impressionen vom Weg gab es auch. Die sind ja quasi immer und überall.
Wir bleiben am Shelter und übernachten dort. Miri liegt und erholt sich vom Magen schädigenden Burger.
Dieser Shelter hat keinen Meerblick und der Weg zum Plumpsklo ist mit einer Matschpassage gespickt. Miri geht den Weg häufiger.
Ich mache noch ein wenig Feuer und sehe mir die Gegend an, aber es geht dann früh und mit mehr Klamotten in den Schlafsack.
Etappe 3
Irgendwo nach woanders.
Heute geht es viel am Strand entlang. Was schön ist, aber auch Kraft kostet. Der Magen ist etwas besser und so kommen heute
auch ein paar km mehr zusammen. Wir gehen einen weiten Bogen um eine Bucht herum und sehen so unseren letzten
Übernachtungsplatz aus vielen Richtungen. In Vemmingbund, kurz nach de Start eigentlich, sehen wir ein Cafe. Gehen hin.
Ist aber zu. Dann sieht uns die Eigentümerin durch das Fenster, winkt und macht für uns auf. Nix Essen, aber die
Kaffeemaschine würde sie für uns starten. Gesagt getan. Es ist ein netter, ungeplanter Zwischenstopp.
Für uns geht es weiter. Der Weg wechselt zwichen Strand und Inland. Dann ziehen Wolken auf. Mist. In einer erreichbaren
Entfernung ist ein Camping Platz. Vielleicht gibt es dort einen Unterstand und einen weiteren Kaffee? Ersteres ja, letzteres
nein. Das Ding ist offiziell noch zu. Auch dort turnen die Betreiber herum, aber die „ach nasse Wanderer, da sind wir mal
nett“ Gene kommen hier nicht zum Vorschein. Egal. Wir hocken im trockenen, essen ein Teil des Rucksacks, äh, naja, vom Inhalt
und warten auf Beendigung der Wässerung. Das klappt auch so leidlich. Als der Regen Nieselstatus erreicht ziehen wir weiter.
Es klart auch fix weiter auf und so geht es trocken dem Tagesziel entgegen.
Kurz vor unserem geplanten Ziel sehen wir noch einen 4 Personen Shelter der wohl neu ist. Allerdings von Radfahrern bereits
belegt. Der wäre nett gewesen. Liegt etwas erhöht und hat einen schönen Überblick über das Wasser. Na, wir gehen weiter.
Dann erreichen wir unser Ziel. Voll. Ausrüstung zum Angeln, Bier, Grill, Plane an den Shelter geschraubt, Dutch Oven. Nicht
ein Millimeter frei. Aber Autos die in der Nähe stehen. Ich frage vorsichtig: Ihr seid mit dem Auto hier? Sofort springt
einer der Gruppe an. Ja sind sie und ja, die Shelter sind für Wanderer in dem Fall zu räumen. Sie packen in windeseile und
sind weg. Selbst das köchelnde Essen im Dutch wird nochmal ins Auto geladen. Danke auf jeden Fall, aber auch mein „ihr könnt
schon noch zu ende kochen“ hat den Blitzaufbruch nicht verhindert. Für uns gut. Später kommt noch ein Pärchen in den Shelter.
War also schon gut, dass jetzt Platz da war. Das Meer ist keine 30 Meter weg, aber heute recht ruhig. Nur ab und an hört man
die Wellen.
Ettape 4
Auf auf, Tag vier. Wieder mit deutlichen Strandabschnitten, aber auch mit einigen Inland Passagen. Am Strand geht es zum
Beispiel durch den Liebestunnel. Da allerdings ist das Frühjahr Mist, weil der Tunnel noch nicht so richtig tunnelt. Es ist
lichtes Dickicht und der Tunnel ist zu vermuten aber nicht wirklich zu spüren.
In Bruness gehen wir auf Kaffee suche, aber nix. Auch da noch alles was im Prinzip vielleicht mal da war, wieder kommt oder
angedacht ist.... ist noch zu.
Daher machen wir kurz nach dem Ort im Shelter Rast. Aha, hier her sind die vertriebenen Auto Fahrer umgezogen. Wir sehen noch
die Latten mit denen sie auch hier die Planen am Shelter angeschraubt haben. Liegen da noch rum und können den nächsten im
Feuer gute Dienste tun. Wir machen nur kurz Pause und dann geht es weiter.
Miri ist wieder fit und wir kommen zügig voran. Mag sein, wir sind morgen schon durch mit dem Pfad? Klingt fast so, weil es
wohl noch Dinge zu machen gibt in Miris Heimat. Die Motivation für einen flotten Schritt ist da.
Wir passieren noch den nächsten Shelter. Etwas im Inland. An einem See. Nett gelegen. Eine kurze Beratung, nein hier ist der
Tag noch nicht zu Ende.
Am Segelhafen Minde wird nochmal eines der wirklich hervorragenden öffentlichen Klos genossen. Da sind die Dänen vor der Welle.
Danke dafür.
Unterhalb und vor der Brücke über den Fjord lacht uns noch ein Imbis an. Fritten und ein Kaffee. Das ist doch was, bis zum
Shelter ist es nicht mehr weit und so lassen wir uns Zeit, laden die Handies und freuen uns über nicht selbst zubereitetest
Futter.
Nach dem Aufbruch geht es über die Brücke und zum Shelter in einem Park. Ein Mann ist schon vor Ort. Seine Liege Orientierung
sagt im Prinzip: Dieser Shelt ist für 6 bis 8 Personen, aber seht her, ich kann ihn auch allein füllen. Er sagt uns noch wo
ganz tolle andere Shelter in der Nähe sind, wir aber legen uns zu ihm und bald ändert auch er seine Liegepostion, so das wir
alle bequem Platz haben.
Der Shelter ist im Ort, in einem Park. So dürfte es für diesen Shelter gut gewesen, sein, dass wir vor der Saison und den
Touristen hier waren. Im Sommer mag das ein unruhiger Ort werden.
Etappe 5
Schon am Morgen wird klar, heute soll das Auto erreicht werden. Das wären dann ca. 27km. Der alte Mann zweifelt an, dass wir
es schaffen, aber wir werden sehen.
Das Wetter ist fein und wir machen ordentlich Strecke immer schön am Wasser entlang.
Wir kommen am größten Shelter „Park“ des Gendarmenwegs vorbei. Unweit des Ortes und laut Schild „zu buchen“ liegen dort 4
Shelter deutlich oberhalb des Wassers in einem Waldstück. So wie es aussieht wohl auch oft von Jugendgruppen besucht. Was
da passiert, wenn man als Wanderer ankommt, so ohne Buchung? Lieber nicht testen.
Der nächste Shelter liegt richtig toll direkt am Wasser hat aber auch dieses buch mich oder ich lass Dich nicht rein Schild.
Komisch.
Ab da geht es dann auch schon weg vom Wasser. Zunächst ein wenig auf deutschem Gebiet und dann zurück nach Dänemark und nach
Krusä. Wir hätten also alles gewandert. Kurze Abstimmung ob ich fix das Auto holen soll, ohne Rucksack. Nee, so nicht. Wir
gehen zusammen und mit Gepäck. Fein.
Den Abschnitt kennen wir ja aus der anderen Richtung. Von hier ist es dann eher ein stetter Anstieg, aber das Auto ruft.
Und die Karre steht auch noch da. Springt an und bringt uns heil zurück. Am Abend wird dann noch nett geschnattert und
reflektiert. Eine tolle Tour mit überwiegend tollem Wetter. Die Shelter sind toll. Es ist einfach schön kein Zelt dabei
haben zu müssen. Solche Wanderinfrastruktur sollte es viel mehr geben.